• Es war einmal – in einem herrlichen Sommer überdies – eine Kuhherde gemütlich am Grasen, manche verteilten sich malerisch über die Grasfläche, manche tendierten dazu, eher in Grüppchen beisammenzustehen und wenn eine Kuh muhte, so taten ihr die anderen das gleich, einen Grund dafür brauchten sie nicht.

    Da wir in dieser Geschichte die industrielle Viehhaltung komplett ignorieren, hatte die Herde auch ihren Frieden, es gab keinerlei Probleme und von Geopolitik verstehen Kühe nur in ganz bestimmten Situationen etwas, die ganz sicher nicht in ein Märchen passen, dennoch möchte der Autor darauf hinweisen, dass derartige Situationen genauso überflüssig wie unfair gegenüber den Kühen sind.

    Jedenfalls, in unserer Herde befand sich eine Kuh – nennen wir sie Annemuhrie – die etwas talentierter zur Welt kam als der Rest der Herde. Sie war einfach schlauer als die durchschnittliche Kuh und in der Zeit, in der unsere Geschichte stattfindet, auch ein wenig genervt von den immer sich ähnelnden Gesprächen auf der Weide, man erzählte sich, wo sich ein besonders großes Grasbüschel versteckte, auf welcher Seite der Tränke noch kein Fladen schwamm, und was man so auf der anderen Seite des Zaunes erspäht hatte, was nicht viel war. Ein paar andere Tiere, manchmal kaum der Bauer vorbei, manchmal die Bäuerin, manchmal der Metzger (darüber sprach man aber aus Prinzip nicht gerne), manchmal ein Wanderer, manchmal einfach niemand.

    Den Zaun muss man denjenigen, die aus einer Region mit höherer Bevölkerungsdichte stammen, auch erklären, denn ein moderner Zaun für Kühe ist elektrisch. Das bedeutet, in einer bestimmten Höhe – je nach Rinderart – befindet sich ein Draht, durch den in regelmäßigen Abständen ein elektrischer Impuls geleitet wird. Berührt eine Kuh diesen Draht, zum Beispiel mit der feuchten Nase, lernt sie etwas über Physik, denn der Draht läuft auf Isolatoren, was in dem Moment, in dem die Kuh zu neugierig wird, dazu führt, dass ein Stromimpuls durch die Kuh in den Boden geleitet wird.

    Wie Sie sich sicher vorstellen können, macht eine Kuh so etwas meist nur einmal, viele probieren es einfach gar nicht, da sie instinktiv meiden, was die anderen meiden. Das ist wie das Experiment mit den Affen, der Leiter, und der Banane – manchmal existieren Traditionen, und keiner weiß mehr, warum es jene Tradition überhaupt gibt.

    Unsere Heldin allerdings, Annemuhrie, wusste, dass es heutzutage gilt, Traditionen kritisch zu hinterfragen. Zudem war ihr aufgefallen, dass es auf der anderen Seite des Zaunes eine wunderbar ungefressene Wiese gab, die sich grün und saftig in der Sonne wölbte. Da wollte sie unbedingt hin, denn nicht nur schien das Gras dort grüner, es hatte dort auch ihres Wissens nach noch keine andere Kuh einen Fladen gelegt oder sich anderweitig erleichtert, was sehr dafür sprach, dieses Gras zu fressen und nicht jenes.

    Nur der Zaun war ein Problem. Oben soeben beschriebene Lektion in Elektrizität ist aus Sicht unserer Kuh nun ihr größtes Problem, wie sie geschockt feststellen musste. Sie entschied sich, einfach den Zaun entlang zu gehen, und nach einer Lücke zu suchen. Daran merkt man, dass sie für eine Kuh relativ klug war, aber immer noch nicht wusste, dass ein Stromkreislauf mit Lücke kein Kreislauf ist, also bei positivem Stromtest davon auszugehen sein könnte, dass es keine Lücke im Zaun gibt. Übrigens, in unserem Fall bestand dieser Zaun nur aus einem Draht, da der Bauer etwas geizig war und diese Herde über Generationen hinweg keinen einzigen Fluchtversuch gewagt hatte, es schien sogar, als wären diese bestimmten Kühe besonders territorial, so mieden sie die Ecken. Das hatte den Grund, dass sich eine Kuh vor zwei Generationen mal in einer Ecke umdrehte und aus Versehen mit dem Schwanz den Zaun berührte, was dazu führte, dass sie laut muhte, sehr laut sogar, und es die anderen ihr nachtaten, wodurch sich die ursprüngliche Kuh ungehört fühlte und lauter muhte, wonach es ihr die anderen nachtaten, das ging so eine Weile und man war insgesamt heiser die folgenden Tage. Seitdem hatten Ecken einen schlechten Ruf in der Herde.

    Annemuhrie hatte nun die recht großzügige Weide einmal umrundet und fand keinen Ausgang, es schien, als wäre der Traum vom unbeodelten Graß unerreichbar für die ambitionierte Paarhuferin. Glücklicherweise aber saß genau an jenem Tag ein Vogel auf dem Weidezaun, auf dem gefährlichen Draht! Das kam der Kuh widersprüchlich vor, hatte sie nicht vorhin einen unangenehmen Schock erlitten, der Vogel aber saß da völlig unbeeindruckt, entweder ungeschockt oder ein Masochist, was unter Vögeln recht selten ist. Diese Überlegung führte zu einer recht vorhersehbaren Frage der Kuh an den Vogel:

    – Hey Vogel.

    – Ja, Kuh?

    – Warum bekommst du keinen Stromschlag?

    Der Vogel seufzte, die Frage war weit unterhalb dessen, worüber er gerne reden wollte, aber was sollte man von einer Kuh schon erwarten.

    – Weil ich nicht geerdet bin?

    – Geerdet?

    Der Vogel seufzte, so gerne würde er sich mal über Eisenbahnen austauschen, stattdessen musste er einer Kuh sein erstes Lehrjahr erklären.

    – Geerdet. Mit der Erde verbunden, physisch. So, dass der Strom fließen kann. Bin ich nicht, wie du sehen kannst.

    Die Kuh muhte, sie wusste nicht warum, Kühe tun das einfach mal. Der Vogel ahnte, dass sie keine Ahnung hatte, was Erdung war. Glücklicherweise war der Vogel von Beruf Elektriker und hatte keinerlei Probleme, der Kuh zu erklären, was es mit einem Stromkreislauf auf sich hatte, an dieser Stelle wird auf Wiederholung der obigen Beschreibung zugunsten des Lesers allerdings verzichtet, da es für diese Geschichte letztendlich egal ist.

    -… auf jeden Fall musst du dich irgendwie isolieren, ich empfehle Gummischuhe, vier an der Zahl.

    – Weißt du, wo ich vier Schuhe herbekomme?

    – Keine Ahnung, wie gesagt bin ich Elektriker.

    So blieb Annemuhrie nichts weiter übrig, als weiter den Zaun entlang zu gehen, und nach Schuhen zu suchen, es bestand ja die Hoffnung, dass der Bauer und die Bäuerin – beide des Öfteren in Gummistiefeln unterwegs – genau die benötigte Anzahl zurückgelassen hatten. Unterwegs traf die Kuh auf einen Frosch.

    – Ey, Frosch.

    – Ja?

    – Weißt du, woher ich vier Gummistiefel bekomme?

    – Wie der Zufall so will, bin genau ich Schuhverkäufer, um genauer zu sein, verkaufe ich ausschließlich Schuhe für Paarhufer und Paarhuferinnen.

    – Was ist denn ein Paarhufer?

    – Du bist ein Paarhufer.

    – Was für ein Zufall, dann passt ja alles! Vier Schuhe bitte.

    – Gerne, das macht 46,90 EUR.

    Die Kuh muhte, aber diesmal wusste sie, warum.

    – Ich habe aber gar kein Geld, ich bin eine Kuh.

    – Das ist keine Ausrede, ich bin Frosch und Franchise-Owner.

    – Was ist denn ein… Egal. Wie kommt man an Geld?

    Der Frosch dachte eine Weile nach, und entschied sich dann, seine erste Idee nicht mit der Kuh zu teilen, weil er sich gerade in einem Märchen befand, und der Gattung der Frösche keinen Rufmord antun wollte.

    – Am besten, du leihst dir Geld.

    – Na dann tue ich das mal. Muh.

    So ging Annemuhrie von dannen und suchte nach jemandem, der so aussah, als würde er Geld verleihen. Zuerst kam sie am Vogel vorbei.

    – Hey Vogel.

    Der Vogel seufzte. So gerne würde er sich über etwas anderes als Elektrik unterhalten.

    – Ja?

    – Kannst du mir 46,90 EUR leihen?

    – Klar, hier.

    Der Vogel gab der Kuh 46,90 EUR. Die Kuh war nun wirklich überrascht, wie viele Zufälle an diesem Tage mit ihr geschahen. Es konnte ja nur gut werden, da auf der anderen Wiese, denn eine ungesehene Kraft schien ihr immer dann zu helfen, wenn es ein Problem gab. Dass Märchen recht schnell vorangehen müssen, um zu ihrem Ziel, der Moral von der Geschichte, zu kommen – und dass zu diesem Zeitpunkt selbst dem Autor noch nicht klar war, wohin das alles führen sollte – das wusste eine Kuh nun wirklich nicht, selbst eine überdurchschnittliche Kuh wie Annemuhrie.

    – Brauchst du das Geld nicht selbst?

    – Ich bin Elektriker du Genie. Bei mir kosten 15 Minten Anfahrt 80 Euro. Die 46,90 sind mir sehr egal. Außerdem bin ich ein Vogel, geringe laufende Kosten.

    – Das ist ja dufte.

    Der Vogel seufzte. Gerne würde er sich mit Personen unterhalten, die das Wort „dufte“ nicht verwenden, aber so viel Glück hatte er an diesem Tag anscheinend nicht.

    – Wann brauchst du das Geld wieder?

    – Mach dir keinen Kopf. Empfehle mich einfach dem Bauern, wenn der mal was an Elektrik braucht. Ich mach‘ auch Trockenbau. Und Gedichte, aber das ist nur so’n Ding für mich, weißt du.

    Der Vogel verpasste der Kuh seine Visitenkarte, die fortan, den Rest der Geschichte, auf einem der Hörner der Kuh stecken würde, in der Hoffnung, der Bauer würde das unbekannte Objekt auf seiner Kuh entdecken, und den Vogel engagieren, am besten für ein EU-gefördertes Photovoltaikprojekt, da gab es viel Geld für wenig Arbeit.

    – Echt stark von dir Vogel, vielen Dank.

    Höflich war sie, die Kuh, das musste man ihr lassen. Auch selten, heutzutage, dachte der Vogel und flog zum Bahnhof, um zu sehen, ob die Krähen Lust hatten, andere Themen zu besprechen, zum Beispiel Züge.

    Die Kuh ging nun schnurstracks zum Frosch zurück, der etwas enttäuscht aussah, dass sie nun das Geld hatte (man sollte Fröschen nicht trauen) und erwarb 4 Gummistiefel für Paarhuferinnen.

    Spannend war es dennoch, als sie sich unter dem Elektrozaundraht hindurchdrückte, immerhin war es durchaus möglich, dass der Vogel keine Ahnung hatte und nur ein sehr geschickter Erzähler war. Doch, zum Glück unserer abenteuerlichen Paarhuferin hatte der Vogel in der Berufsschule aufgepasst und Recht, Annemuhrie konnte sich ungeschockt aus der Weide absetzen.

    Es war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Das Gras hatte seit Jahren ungestört – vom Muhen mal abgesehen – gedeihen können, es war saftig, ohne Fußabdrücke und vor allem ohne Hinterlassenschaften anderer Kühe. Annemuhrie war dem Paradies so nahe, wie eine Kuh dem Paradies nahe sein konnte. Stundenlang suchte die die schönsten Büschel Gras und senkte den glücklichen Kopf hinein, es entwischte ihr sogar ein zufriedenes Muhen, denn dazu hatte sie allen Grund.

    Irgendwann aber kommt zum Hunger der Durst hinzu. Annemuhrie blickte nach links, dort befand sich die Weide, dann nach rechts, dort befand sich ein Wald. Sie dachte eine Weile nach und entschied sich dann, einfach wieder unter dem Zaun hindurchzuschlüpfen und den Trog auf der Weide aufzusuchen. Es war aber so, dass die anderen Kühe sehr wohl gesehen hatten, dass sich eine von ihnen abgesetzt hatte und eine eigene Weide genossen hatte. Das war genauso untypisch wie ungerecht, so einigte man sich schnell. Sie hatten Fragen und Kommentare, die Herde sammelte sich um die zurückkehrende Annemuhrie und es prasselten Worte auf unsere Heldin hinab.

    – Wegen dir bekommen wir jetzt Ärger!

    Annemuhrie sah das anders.

    – Wieso, die Bauern sind nicht hier und der Schäferhund ist in Urlaub!

    Eine weitere Kuh eröffnete die nächste Runde:

    – Wie hast du das gemacht?

    Annemuhrie hoffte, dass ihre Schuhe nicht bemerkt worden waren, aber einerseits waren vier Gummistiefel an einer Kuh sehr auffällig, und andererseits war sie zu diesem Zeitpunkt die einzige Kuh auf dem Planeten, die Grundkenntnisse in Elektrik vorzuweisen hatte, musste sich also keine Sorgen machen, da die Schuhe vom Rest der Herde einfach als modischer Fehlgriff der rebellischen Kuh gesehen wurden.

    – Das werde ich euch sicher nicht sagen, das ist MEINE Weide!

    – Ist der Zaun nicht mehr böse?

    Diese Theorie wurde recht schnell widerlegt, als eine weitere Kuh – gut geerdet – die Schnauze an den Zaun hielt, das Ergebnis war ein lautes Muhen, das von den anderen Kühen reflexartig wiederholt wurde, sodass das Gespräch einige Minuten lang unterbrochen war.

    – Nein, nur ich kann unter dem Zaun durch. Und wie ich das kann sage ich euch nicht! Das ist MEINE Weide da drüben, versucht es gar nicht.

    Die Herde steckte die Köpfe zusammen, während Annemuhrie sich trollte und den Trog aufsuchte, all das Gerede hatte ihren Durst schon sehr verstärkt. In der Herde entstand ein waghalsiger Plan: Annemuhrie stand fortan unter Beobachtung, sobald sie ihren Trick erneut aufführen würde, wäre immer eine andere Kuh als Beobachterin eingeteilt. Gerade, als man sich den Tag auf 30 Kühe aufteilte, denn so viele Kühe standen als Beobachterinnen zur Verfügung, hörte man ein Muhen, ein lautes sogar.

    Annemuhrie hatte sich schnurstracks wieder auf ihre Weide trollen wollen, aber der Zaun hatte sie geschockt! Was Annemuhrie nicht beachtet hatte, auch aus Unkenntnis, war, dass ihre Schuhe am Trog nassgeworden waren und nun sehr wohl erdeten. Annemuhrie war wieder eine normale Kuh. In der Herde herrschte hämisches Gelächter, man war sich sicher, die rebellische Kuh würde sich nun in ihr Schicksal fügen und genau demjenigen Tagesrhythmus nachgehen, den sie so sehr wünschte hinter sich zu lassen. Es blieb ihr nicht anderes übrig, als wieder den Zaun entlang zu gehen und Informationen zu finden, während die anderen Kühe mal kicherten, mal muhten.

    Sie traf zuerst auf den Frosch, der gerade dabei war, sich ein gemütliches Blatt zurechtzulegen und die Störung nicht besonders begrüßte.

    – Hey Frosch.

    – Ja, Kuh?

    – Die Schuhe funktionieren nicht mehr.

    – Kannst du darin laufen?

    – Ja?

    – Dann funktionieren sie.

    – Aber der Zaun schockt mich wieder.

    – Davon hast du nichts erzählt. Zudem, benutzte Ware nehmen wir nicht zurück, vor allem nicht Ware, die auf einer Kuhweide benutzt und dementsprechend besudelt wurde. Geh weg, ich will schlafen.

    – Das ist aber kein guter Kundendienst!

    – Hast du beim Schuhkauf jemals einen guten Kundendienst erlebt?

    – Stimmt auch wieder. Schönen Tag, noch.

    – Dir auch, seltsame Kuh.

    Annemuhrie lief demnach einfach weiter, bis sie einen Vogel fand. Es war ein anderer Vogel als der von vorhin, der war ja weitergeflogen um endlich über Züge reden zu können, da er ein Zugvogel war.

    – Hey Vogel.

    – Ja, gefleckte Kuh?

    – Ich hab‘ Flecken?

    – Habt ihr alle. Was ist das Problem?

    – Ich konnte bis vorhin unter dem Zaun durch dank meiner magischen Schuhe aber die sind nun kaputt und jetzt komme ich aus dieser verdammten Weide mit diesen Schwachmaten hier wieder nicht raus!

    – Ah, du bist nass geworden. Geerdet.

    – Ah, ja, sowas Ähnliches sagte der andere Vogel.

    – Ja, das ist mein Kollege.

    – Sind alle Vögel Elektriker?

    – Nicht alle, manche sind kriminell, manche arbeiten der Autolackiererei zu, aber die meisten sitzen halt viel auf Überlandleitungen und lernen viel.

    – Kannst du mir helfen?

    – Nicht nur das, ich kann dir auch beweisen, dass MEIN Elektrofachbetrieb besser ist als der von Arno. Die Schuhe kannst du anlassen, is ne modische Entscheidung. Aber siehst du den Generator da drüben? Da isn roter Knopf dran. Drück den einmal, dann is der Zaun aus, dann geh drunter durch und dann drück ihn wieder sonst stinkt hier alles nach Kuh.

    – Und wie komme ich an den Knopf?

    – Mit einem Stock?

    – Einem was?

    – Wow, ihr Kühe habt noch nicht gelernt, was Werkzeug ist?

    – Doch, wir kratzen uns mit Besen.

    – Einen Besen, junge Frau Kuh, kann man als Stock verwenden, wenn man ihn umdreht.

    – Wow, riesen Dank.

    -Gerne, hier noch meine Karte. Ich höre, der Bauer will nen Vollelektrischen Traktor kaufen und wir haben sowas im Angebot. Wird von der EU gefördert.

    Nun steckte auch auf dem anderen Horn von Annemuhrie eine Karte. So zog sie los, fand den Besen, den der Bauer an den Trog gelehnt hatte, nahm die breite Seite, die sehr schlecht schmeckte, in den Mund und ging zum Generator, alles unter den wachsamen Augen der tuschelnden Herde.

    Der Plan war genauso einfach wie erfolgreich, Stock auf Knopf, Kuh unter Zaun durch, warten, bis der Rest der Herde kam, Zaun wieder an, Muhen der anderen genießen. Sie beschwerten sich:

    – Annemuhrie, du wirst wirklich Ärger bekommen. Und hier rein lassen wir dich sicher nicht.

    – Sieht so aus, als würdet ihr weder kontrollieren, wer hier reinkommt, noch, wer hier rauskommt. Haha.

    – Aber verprügeln können wir dich.

    – Dann bekommt ihr Ärger. Oder der Bauer bringt mich auf eine eigene Weide.

    – Oder zum Metzger! Der opfert lieber eine Kuh als den Frieden der Herde.

    Das war tatsächlich eine Möglichkeit, denn ein Bauernhof ist ein wirtschaftlicher Betrieb, kein Ponyhof. Es gab keinen Weg zurück für Annemuhrie, und diesmal schmeckte das Gras auf ihrer Weide etwas weniger gut, denn es war nicht mehr eine Option, sondern alles, was sie hatte. Bald wurde es dunkel und Annemuhrie auch noch durstig.

    Es führte kein Weg daran vorbei: Annemuhrie musste in den dunklen Wald und Wasser finden. Bis in die späten Abendstunden suchte sie und verlief sich, was aber kein Problem war, da Kühe in regelmäßigen Abständen den Laufweg markieren und Nasen haben. Aber zurück konnte sie auch nicht ganz, denn da war ja kein Wasser. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als im Wald zu schlafen. Den Gerüchten entgegen schlafen Kühe sehr gerne im Liegen, also fand sie etwas Moos an einem Baum und schlief ein, etwas besorgt aber in Freiheit.

    Sie erwachte, als ein Vogel ihren letzten Schuh klaute.

    – Hey was soll das?

    – Ich bin hier das Opfer, nicht du, Kuh!

    – Hä?

    – Du kannst dir Schuhe leisten, ich habe die Ausbildung zum Elektriker nicht geschafft, also muss ich nun stehlen.

    – Und was machst du mit all den Schuhen?

    – Ich verkaufe sie an einen Frosch.

    – Alles klar. Sag mir nur, in welche Richtung es hier Wasser gibt.

    – Richtung Sonne. Das nennt man Osten. Halbe Stunde.

    – Danke, Dieb.

    – Kein Problem, privilegierte Kuh.

    Annemuhrie fand tatsächlich nach weniger als 20 Minuten (ohne Schuhe lief sie schneller) einen Fluss, und es war einer dieser Flüsse, in denen das Wasser noch blau war. Noch nie hatte sie so gutes Wasser, so ganz ohne Kuhfladen getrunken. Alles, was sie nun brauchte, war eine Lichtung im Walde mit Gras und eine grobe Orientierung, und ihr Leben als freie Kuh würde beginnen. Sie sah einen Fisch.

    – Hey Fisch.

    – Blubb.

    – Sag mal, gibt es hier im Wald eine versteckte Lichtung in Flussnähe, wo eine Kuh in Ruhe ihre Jahre ausleben könnte?

    – Blubb.

    Annemuhrie war sich nicht sicher, ob in der Sprache der Fische „Blubb“ „ja“ bedeuten könnte, denn beide ihrer Fragen hätten so beantwortet werden können. Sie machte einen Test.

    – Bist du ein Vogel?

    – Blubb.

    Ab hier war klar, Tiere können sprechen, es sei denn, es sind Fische.

    Annemuhrie entschloss sich, den Fluss entlangzugehen, denn Dinge entlangzulaufen und Glück zu haben hatte sich bisher sehr für sie gelohnt. Bald traf sie auf einen Fuchs.

    – Hey Fuchs.

    – Bleib weg, ich habe Tollwut.

    – Was ist Tollwut?

    – Das willst du gar nicht wissen, glaub mir.

    – Weißt du, wo es hier eine im Wald versteckte Lichtung gibt? So für eine Kuh zum Leben.

    – Ich habe Tollwut, ich weiß nicht einmal mehr, wieviele Beine ich habe.

    – Du solltest vielleicht etwas Wasser trinken.

    Bei der Erwähnung von Wasser rannte der Fuchs davon, was zwar Annemuhrie nicht verstand, Menschen, die den Wikipedia-Artikel über Tollwut gelesen haben, aber schon.

    Weiter ging es den Fluss entlang, bis Annemuhrie im dunklen Wald an eine Brücke gelangte, und sich erhoffte, auf der anderen Seite eine Weide in Flussnähe zu finden. Ihr Problem bestand in den beiden Rittern, die die Brücke bewachten, denn in dieser Geschichte wurde Elektrizität sehr früh erfunden. Sie erklärten, dass einer von Ihnen immer log, der andere immer die Wahrheit sagte.

    – Warum macht ihr das?

    – So hat man uns erfunden.

    – So hat man uns erfunden.

    – Okay, und gibt es auf der anderen Seite nun eine Weide in Flussnähe, auf der eine Kuh  in Ruhe leben könnte?

    – Ja.

    – Nein.

    Da stand sie nun, die Annemuhrie, und überlegte.

    – Wenn ihr eine Kuh mit einem derartigen Wunsch wärt, was würdet ihr tun?

    – Umkehren.

    – Umkehren.

    Also, dachte sich Annemuhrie, wenn der eine Ritter, der immer lügt, sagt, sie solle umkehren, dann sollte sie weitergehen. Aber wenn der andere Ritter, der immer die Wahrheit sagt, auch sagt, sie solle umkehren, dann sollte sie besser die Brücke nicht überqueren. Dafür gab es nur eine Erklärung:

    – Ihr beiden habt keine Ahnung, was auf der anderen Seite der Brücke ist, ihr steht hier schon immer und habt euch noch nie umgedreht.

    – Stimmt.

    – Lüge!

    Man merkte in den Rittern aber eine gewisse Unruhe, und Annemuhrie hatte erfasst, dass der Ritter, der links stand, die Wahrheit sagte. So überquerte sie in Frieden die Brücke, während zwischen den Rittern ein Streit ausbrach, was nun schiefgelaufen war, der darin endete, dass sie sich trennten und von nun an an verschiedenen Brücken standen, was bei der einen Brücke sehr hilfreich war und bei der anderen sehr schnell ignoriert wurde.

    Annemuhrie fand nun endlich die gewünschte Lichtung in Flussnähe und hatte ihr Zuhause gefunden. Mit der Zeit freundete sie sich mit den dortigen Tieren an, nur leider der Fuchs wagte sich nicht über die Brücke. Sie war frei und lebte ein langes, zufriedenes Leben, und als ein Ochse aus einer naheliegenden Metzgerei ausbrach, begründeten die beiden eine Paarhuferart, die vor allen durch den Drang zur persönlichen Freiheit und Kooperation zu charakterisieren ist.,

    Sollten Sie also jemals an eine Brücke kommen, an der ein einzelner Ritter steht, stellen Sie ihm eine Frage, deren Antwort sie wissen, und achten sie auf ein zufriedenes Muhen im Walde, denn mit etwas Glück und Verstand kann man selbst als einfache Kuh seine Ziele erreichen.

    Das war’s auch schon. Manche Geschichten wollen einfach nur unterhalten und eine kurze Pause von der Realität bieten, nicht alle Kunst muss den tiefsten Sinn haben, ich würde sogar sagen, dass, wenn etwas so viel Ziel hat, dass es nicht mehr zur Unterhaltung taugt, das Ziel ironischerweise verfehlt wird.

    © 2025 Ben Büchlein. All rights reserved. 

  • Es war einmal – und wenn Sie Teile dieser Geschichte lesen, werden Sie merken: vor gar nicht so langer Zeit – dass es sich begab, das am Hofe eines Herrschgeschlechts unter Anderem eine junge Prinzessin lebte. Natürlich ging am Hofe einiges vor sich, die eine Grafschaft nebenan erhob Anspruch auf einen Flecken Land und erkannte den uralten Vertrag nicht an, da er damals von einem Mönch geschrieben war, der aber in Latein geschummelt hatte, also waren zentrale Bedingungen der Landteilung nun wirklich einfach in Frage zu stellen und es gab bereits Keilereien.

    Ach, dann war da noch der Bruder, der Prinz, dessen ungehemmtes Verhalten des Nachts bestimmt zu einem sehr komplexen Erbfolgekrieg führen würde, ganz abgesehen von Kosten für den Haushalt eines recht kleinen Staates.

    Der König war in ein sehr fernes Land gezogen, um den dortigen Bewohnern ihre Fehlansichten bezüglich der Herkunft allen Lebens zu erklären, insbesondere die Biologie hatte es ihm angetan also taten er und seine Mitstreiter ihr Bestes, möglichst viele jener anderen Bewohner zu sezieren.

    Die Königin hatte dies nun zum vierten Mal erlebt und erwartete keinerlei Besserung, so war sie auf ein Landgut gezogen, das den besten Wein im Staate herstellte, schon alleine, weil wir über einen kleinen Staat reden und dann auch noch dass alle Weinspezialisten Hochstapler sind und ein Wein entweder gut ist oder nach Reinigungsmittel schmeckt. Jedenfalls, Wein und Winzer hatten es ihr angetan.

    Die Prinzessin sorgte sich. Sehr sogar und das jeden Tag. Man sollte dazu wissen, dass es für das menschliche Gehirn etwas nachteilig ist, in solchen Umständen den präfrontalen Cortex auszubilden, mit den dauernden Sorgen und all dem. Unsere Prinzessin – obwohl von kleinster Statur – krampfte nun sehr gerne mit den Händen und es dauert nicht lange, bis die Bediensteten entdeckten, dass ihre Hände beinahe übermenschliche Druckkräfte entwickelt hatten, nun aufgrund des ganzen Nachdenkens über zukünftige Sorgen eben.

    Zuerst zerdrückte sie aus Versehen einiges Schreibwerkzeug, dann die Lehnen verschiedener Stühle, und als die ersten schmiedeeisernen Türgriffe zerdrückt worden waren, begann die Sensation. Man gab der magisch-manischen Prinzessin immer solidere Dinge in die Hand, begonnen mit verschiedensten Metallen, die alle in Prinzessinnenfaustform endeten. Dann wurde der Mühlstein ausprobiert, aus dem sie mühelos ein Stück herausdrücken konnte, schließlich fand man ein Stück Granit, das alsbald Granitstaub wurde.

    Die Geschichte der verkrampften Prinzessin machte nun die Runde im Lande und erreichte schließlich auch den im Fernen Lande sezierenden König, der da verlautete, dass wer auch immer etwas fand, was seine Tochter nicht zerdrücken könnte, sie haben könnte, denn so sei sie für eine Vermählung mit einem Verbündeten ja nun wirklich nicht geeignet, wann man mal länger über das Problem nachdachte.

    Zuerst kamen Gesandte aus dem höchsten Norden, sie brachten das kälteste Eis, das jemals gefunden worden war. Die Prinzessin beschwerte sich über die Kälte, das Eis aber war schnell gewürfelt.

    Dann kamen Gesandte auf dem tiefsten Süden, sie brachten einen Diamanten, der genau so in einem Stück gefunden worden war und eigentlich für die Krone einer wichtigen Königin gedacht war, sie hatten ihn nur ausgeliehen. Dies stellte sich als Fehler heraus, da Diamantenstaub deutlich weniger beeindruckend auf Kronen aussah als das ursprüngliche Stück. Der daraus resultierende Streit stresste unsere Prinzessin noch mehr.

    Dann kamen Gesandte aus den fernsten Westen, sie brachten einen Knochen, der Milliarden Jahre im Boden überlebt hatte und als letzter Drachenknochen galt. Der Drache allerdings musste nach seiner Niederlage gegen Beowulf posthum noch eine weitere Niederlage über sich ergehen lassen und wurde nun von den Bediensteten brav aufgewischt.

    Dann kamen Gesandte aus dem weiten Osten, sie hatten die unendliche Steppe abgesucht, und einen kleinen Meteoriten gefunden, aus einem Material, das von den Göttern auf die Erde geschickt sein worden musste, und zwar zu genau diesem Zweck. Auf bakterieller Ebene enthielt dieser Meteorit sogar die ersten Zeichen außerirdischen Lebens, das zur Begrüßung auf dem Planeten Erde einfach zerquetscht wurde und eine wichtige Lektion über den Menschen lernte.

    Lange Zeit geschah nun gar nichts, es waren die Ideen ausgegangen, bis die alte Dorfhexe vorstellig wurde, man muss sich bei ihr nur nach jeder Aussage ein irres Lachen vorstellen, dann hat man das Bild einigermaßen erfasst.

    Sie gab der Prinzessin einen Ballen Kräuter in die Hand, und der versammelte Hof lachte. Die Prinzessin griff zu, der Ballen verformte sich, aber zerquetscht wurde er nicht. Um genau zu sein konnte die Prinzessin danach normale Dinge anfassen, ohne sie zu zerstören, die Sensation war gelungen. Auch war die Prinzessin irgendwie entspannter und ruhiger und so wie der Handel mit dem fernen König besprochen worden war, ging sie nun mit der Dorfhexe mit in den Wald. Der Hof prüfte kurz die Unterlagen, aber das Verbrennen von Hexen war bereits verboten worden, seitdem man zu der Einsicht gelangt war, es könne nicht gut für den Genpool sein, wenn man jede Frau verbrennt, die Intelligenz an den Tag legte.

    Im Walde erklärte die Dorfhexe, dass es sich lediglich um eine Sammlung Kräuter handelte die, bei der ersten kleinen Quetschung, über die Haut – sie benutzte den korrekten Begriff „dermale Anwendung“ – ganz einfach eine krampflösende Wirkung als Muskelrelaxans übertragen hatte.

    Im Wald wurde nun eifrig debattiert, denn als nächstes wartete die Hexe ein wenig, bis die Wirkung nachließ und dann bat sie die Prinzessin, ein Stück Kohle zu zerdrücken und der erste künstliche Diamant entstand, auch deshalb, weil die Prinzessin zu sehr warmen Händen neigte.

    Fortan arbeiteten die beiden Hexen im Walde zusammen und sammelten weitere Gefolgte um sich, schon bald entstand der Welt erste Fabrik für Psychopharmaka, ein Markt, der sich im späten Mittelalter schneller ausbreitete als jegliche Pestbeule es könnte. Die Prinzessin testete die besten Mittel und bediente die Presse, also war bald auch ein orales Medikament im Angebot. Bezahlen ließ man sich in Kohle, Ausgaben wurden in Diamanten bezahlt.

    Was mit dem Hofe und dem König, der Königin und dem illustren Bruder geschah, ist ebenfalls überliefert, der Hofe wurde wie so viele zu einem Kleinstaat mit geringen Steuersätzen, der König fiel vom Pferde auf den Kopf und konnte seine letzten Momente mit dem Studium des menschlichen Gehirns verbringen. Die Königin blieb beim Winzer, denn der hatte außer Winzern keinen Schwachsinn im Kopf. Ah, und der Bruder setzte sich in ein fernes Land ab, als Alimente zum Gesetz wurden.

    Die Moral von der Geschichte ist, dass wenn ich ein Pharmaunternehmen wäre, würde ich mir diese Geschichte auf die Flagge schreiben, kein Mensch interessiert sich dafür, welche 3 Investoren zusammenkamen und Marktanalysen betrieben. Hexen in Wäldern, Leute, das wollen die Menschen lesen!

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  • In grauer Vorzeit – also in der Zeit vor der Zeit sozusagen – gab es mal ein Tal mit einem kleinen Bächlein, in dem sich ein paar frühe Menschen einfanden, um dort zu siedeln, Fische mit Speeren zu bewerfen und die lokale Mammutpopulation auszudünnen. Viele Generationen lang – und dabei müssen wir beachten, wie kurz eine Generation in diesen Zeiten war – siedelte man so friedlich vor sich hin, mal abgesehen von dem ein- oder anderen Säbelzahntiger oder Höhlenbär, der sich sein Abendessen aus der Siedlung holte, aber das war zu jenen Zeiten kein Grund für lange Gespräche.

    Das Glück sollte allerdings nicht für immer anhalten, denn es geschahen nun zwei unglückliche Dinge in kurzer Folge: Zuerst wurde in unserem Tal die Mathematik erfunden, dann raffte eine Seuche die gesamte Siedlung restlos dahin. Glück im Unglück also, zwar lag nun eine ansehnliche Hüttensammlung brach, aber immerhin verzögerte sich die Einführung des Mathematikunterrichts um ein paar Tausend Jahre.

    Es dauerte nicht allzu lange, bis sich in jenem fruchtbaren Tal eine neue Population unserer Vorfahren ansiedelte, und wieder aßen unsere Vorfahren die Vorfahren unserer Fauna, diesmal weniger Mammut und mehr Hirsch, da sich die Eiszeit ein wenig zurückgezogen hatte. Man wunderte sich ein wenig, dass das Tal schon mehr oder weniger für eine Siedlung vorbereitet war – mit begradigten Flächen für Felder und sogar einem runden Feld in der Mitte der Siedlung, in der die aktuellen Götter (damals lebten noch mehr) behuldigt werden konnten – aber da die zweite Population nichts von der Ersten wusste, lebte man wieder friedlich vor sich hin, in der gewohnten Geschwindigkeit der Generationen und der gewohnten Langsamkeit der Entwicklung, da sich in der Menschheitsgeschichte teilweise Jahrtausende wenig tat, als Innovationen misstrauisch beäugt wurden und kluge Köpfe an ihre Ideen zuerst an sich selbst ausprobieren mussten, was vor allem die Chirurgie und Biochemie vieler Vorreiter beraubte.

    Nun aber begab es sich nach einiger Zeit, dass ein nahegelegener Stamm ebenfalls das fruchtbare Tal beäugte, und dieser Stamm hatte sich nicht nur anderen Götzen verpflichtet, sondern auch erlernt, Metalle in scharfe Gegenstände zu formen. Dies war dann auch bald stark zum Nachteil unserer zweiten Population, die ebenfalls restlos verlorenging, da im Eifer des Gefechts auch ein großer Brand entstand, der die nunmehr zweite Ansiedlung in die Schichten der Erde ebnete. Der daran schuldige Stamm allerdings konnte mit dem Tal wenig anfangen, da sie zwar in Hieb- und Stichdingen überlegen waren, aber nicht wussten, wie man einen Acker bestellte, da auch die Saat und das Getreide abgebrannt waren. Einige wanderten ins nächste Tal, andere verhungerten in einem überraschend harten Winter (die Hirsche hatten sich wegen des Lärms zuerst aus dem Acker gemacht) und das Tal stand wieder leer wie ein Ferienhaus in der Nebensaison.

    Ein paar mildere Jahrzehnte später siedelte sich nun die dritte Gemeinschaft unserer Vorfahren im Tale an, hatte aber ebensowenig Glück wie die ersten beiden, da mildere Jahre nach einer Eiszeit eine Schmelze nach sich ziehen – zuerst kam der Schlamm den Berg hinab und dann trat der lokale Fluss, der nun schon seinen dritten Namen hatte, über seine Ufer. Beides in derselben Nacht, man glaubt es kaum, aber auch dies war keine Seltenheit in der langen Leidensgeschichte, die wir Menschheit nennen. Es dauerte nun wieder lange, bis der Wasserstand sank und der Fluss sich wieder besser benahm.

    Eine ganz lange Zeit geschah nun wirklich nichts in unserem Tal, bis sich ein nahegelegener Stadtstaat in diesen Bereich ausdehnte, und es entstand eine Straße sowie ein kleines Gasthaus, in dem müde Reisende die Beine unter einfache Holzbänke strecken und ein bittersüßes Getränk genießen konnten. Leider aber breiteten sich zu dieser Zeit so einige Stadtstaaten aus, und diese waren sich nicht immer einig, zu wem nun welches Territorium gehörte, also traf man sich an einem milden Sommertag in just unserem Tal, um eine derartige Frage zu klären. Wer dort auf wen traf, ist weder überliefert noch von Bedeutung, wichtig ist nur, dass die eine Seite einen Befehlshaber hatte, der Pläne schmiedete, die andere Seite einen, dem solche Details nicht wichtig waren. Es sei wieder daran erinnert: Auch dies war nicht selten zu jenen Zeiten, es finden sich sogar sehr berühmte Anleitungen für Befehlshaber der zweiten Sorte. Jedenfalls, das Gasthaus fand sich leider in der Mitte der Auseinandersetzung wieder und brannte ab, beinahe schon aus Tradition.

    Die einseitige Affäre war an einem Nachmittag erledigt und man fledderte was man konnte und ging nach Hause – es war nicht wichtig, was mit dem Tale getan wurde – es war nur wichtig, wem es gehörte. Wieder senkten sich Knochen in Schichten, die viel später mehreren Generationen von Archäologen und Archäologinnen mehrere Jahre beruflicher Sicherheit ermöglichten, da lange bezweifelt wurde, dass ein einziges Tal so viel Pech haben konnte.

    Der siegreiche Stadtstaat ließ nun einige Höfe und Villen um sich herum erwachsen, also lebten in unserem Tal fortan Bedienstete unfreiwilliger Natur und bearbeiteten die Felder sowie die Wünsche derer, die in der Lotterie der Geburt eine bessere Nummer gezogen hatten. Eines Tages hinterfragte man kollektiv jene Lotterie und es entstand ein Aufstand, der sehr zum Nachteil der Lotteriegewinner seinen Auftakt fand. Man erkennt das an den Knochen, die zuerst sehr regelmäßig wachsen und dann plötzlich gar nicht mehr, so nebenbei bemerkt. Der siegreiche Stadtstaat konnte sich solche Fragen ob der Hierarchie nicht erlauben und entsendete zuerst eine lose Sammlung von Milizen, die überrascht feststellen mussten, wie ernst es dem Gegner war, und dann eine reguläre Armee, wonach die Aufständischen schockiert feststellen mussten, wie ernst es dem Stadtstaat mit dem Status Quo war.

    Unser Tal hatte nun einen schlechten Ruf, es galt als schwer zu beherrschen, sodass sich dort nur diejenigen einfanden, die keine wirkliche Alternative hatten. Zudem war das Land bereits so oft verwüstet worden, dass es nicht mehr so beschaulich oder fruchtbar war, also war es dem Staate, der nun aus dem siegreichen Stadtstaat geworden war, nicht so wichtig, da die Erträge relativ gering waren, gut erkennbar an den dünnen Ziegen, die für ihr Mahl recht weit laufen mussten.

    Der schlechte Ruf allerdings geriet in Vergessenheit, da die Verhältnisse zwischen Staaten zu jener Zeit eher ungeregelt verliefen, und es durchquerten viele Männer mit klappernden Schwertern und Lanzen unser Tal, manche sogar zu Pferde, was damals wieder ein Anzeichen für den Lotteriegewinn war. Es ging von Westen nach Osten und von Osten nach Westen, bis die Frage, wem die größere Region gehörte, zeitweise Klärung gefunden hatte.

    Leider aber traf – lediglich ein paar Jahrhunderte später – ein Schiff aus einem fernen Land ein und brachte einen Gast mit, genauer gesagt sehr viele sehr kleine Gäste, die sich fröhlich im neuen und ungeschützten Land ausbreiteten und die lokale Bevölkerung niederlegten. Wer in der Stadt erkrankte, wurde in unser unglückliches Tal geschickt, wo nun von Innen auf Zelte gestarrt wurde, bis das Blinzeln stoppte. Dann kamen diejenigen, die nun wirklich keinen besseren Beruf finden konnten, und trugen die Starrenden ein wenig weiter, zum Verscharren im selben Tal.

    Es setzte sich nun – auch nach dem Ende des aktuellen Siechtums – ein Brauch im Tale fest, wer krank war, ging ins Tal und kam entweder wieder oder eben nicht. Diejenigen, die ehemals keine andere Option hatten als im Tale zu arbeiten, wurden durch Vertreter einer bestimmten Sicht auf das Universum ersetzt, und ein Spital entstand, und dort wo man früher verscharrt hatte, verscharrte man erneut, nur machte man sich diesmal die Mühe, zumindest den Namen aufzuschreiben.

    Zum großen Nachteil des Spitals war es aber, dass einige ihrer Vertreter die falschen Ansichten zum Universum hatten, sodass ein naheherrschender und leicht andersdenkender König befiehl, ihnen die Unterschiede zur Wahrheit deutlich zu machen. Die Spitaler verweigerten sich dem, und erneut hörte man Schreie im unglücklichen Tal, gefolgt von Scharrgeräuschen, und erneut brannte etwas ab.

    Nicht allzu lange später wurde in den Bergen, die natürlich die gesamte Geschichte stumm und unbewegt mitangesehen hatten – denn ohne Berge kein Tal ­– ein wertvolles Gut gefunden, und nun ging es den Bergen an den Kragen, was aus Sicht des Tals fast schon gerecht war. Durchbohrt und entwaldet entschied der Berg eines Frühlings, keine Lust mehr zu haben und lies die Schultern sacken, was die frühe Industrie im Tale deutlich zerkleinerte, mitsamt der angesiedelten Hände, die den Berg so durchstochen hatten.

    Wiederum nicht viel später – die Geschwindigkeit aller Dinge hatte sich deutlich erhöht – war das wertvolle Gut auf einmal recht wertlos, und wurde sogar scherzhaft als Ersatz für Geschenke an Weihnachten gesehen, da das Rad der Zeit nun anderweitig betrieben wurde. Im Tal kehrte nun Ruhe ein, eine Straße führte den Fluss entlang und sowohl Straße als auch Fluss wurden immer wieder begradigt und die Geschwindigkeit der Reisenden sowohl des Flusses nahmen zu. Der ein- oder andere Flussdampfer schlug Leck im Fluss, und wer nicht schwimmen konnte, wurde auch permanenter Bewohner des Tals, aber auch dies war zu jenen Zeiten kaum mehr als ein paar Tage Gespräch wert.

    Schritt für Schritt verlagerte sich aber das Interesse der umliegenden Gemeinden, sodass sowohl Straße als auch Fluss einen eher natürlicheren Verlauf fanden und an Priorität verloren. Zuerst zogen die Jungen weg, aber irgendwann war das Tal so unterversorgt, dass selbst die Alten wegzogen, da Infrastruktur Altersvorsorge ist.

    Heute kann man in unserem Tal schön wandern und hier und da flitzt ein Reh oder huhut eine Eule im dunklen Wald, und schreien ist eher verpönt. Auch hat schon lange kein Gebäude mehr gebrannt und Meinungsverschiedenheiten werden leise am Lagerfeuer besprochen. Gelegentlich findet der Wanderer ein Stück Metall und fragt sich, was für einen Zweck es wohl gehabt haben könnte, oder man erspäht eine eher künstlich wirkende Erhöhung am Fluss und diskutiert, ob dies mal wichtig für wen war, aber das Gros dessen, was im Tal vonstattenging, wissen nur die Berge, die nach wie vor stumm glotzen.

    Das Problem an dieser Geschichte ist, dass dieses Tal kein besonderes Tal ist. Wo auch immer man auf dieser Welt hintritt, man tritt auf die Taten und Knochen der Vorangegangenen, ganz wenige, nie besiedelte Gegenden mal ausgeschlossen. Und es ist jederzeit möglich, dass die Ruhe im Tal wieder unschön gestört wird, es sei denn, der Mensch entscheidet so insgesamt, mehr nachzudenken.

    Den Bergen ist es egal, ob der Mensch das tun wird, aber die Berge haben auch eine andere Perspektive auf das Treiben im Tal, ganz zu schweigen von den Planeten, die wahrscheinlich noch gar nicht bemerkt haben, dass da was war.

    Nur leider sind wir die Talbewohner, nicht die Berge, auch wenn so Einige sich für Berge halten.

    © 2025 Ben Büchlein. All rights reserved. 

  • Over on SciFiStories, I am slowly uploading last Summer’s project, a classic Sci-Fi space opera. It’s political, it’s about technology, action, it’s humorous and like all good Sci-Fi, it’s about what is human, right or wrong.

    https://scifistories.com/n/1491/the-six-eyed-beast

  • Have a read:

    „An exciting milestone for BRAND Y: From grassroots to profitability, providing premium services across a multi-channel distribution text generator in support of our mission! We’re a lean, fast-paced company with incredible product teams aiming for the latest innovations with our storytelling tool for B2B. We’ve ambitiously gone from a dedicated venture to an established brand, enabling people and organizations to achieve more with our products. Two years of focus on building the foundations for our change-making efforts have now been transformed into a sustainable basis.”

    All you remember at this point is that someone has achieved something. Now, let’s see how we can use those 80-something words a bit better:

    “They say when dedicated minds work in unison, great things happen. Now, we’re finally able to proudly join that illustrious history with BRAND Y. Only two years ago, we started with a team of just five to make a splash in automated marketing text tools, and that splash is now rocking quite a few boats. On our journey, we have gathered more and more uniquely-skilled people around us to push our tools to be more precise, reliable, and to-the-point. We’re standing on firm ground now, ready to shoulder the future by your side.”

    See how the corporate textbook might sound professional, but misses the mark? The problem with highly-polished and multi-approved language is that if everybody is doing it, nothing stands out anymore. It’s like LinkedIn posts. They’re even a meme at this point.

    How many world-famous novels have been written by committees? Was your favorite movie made along safe lines of fifty-plus people agreeing on every scene? Who wrote the lyrics to your favorite song, was it a department? Have you ever heard a brand story late at night at a bonfire? Can you even tell your favorite joke to everyone, including your grandparents?

    The oldest tales that survive in cultural memory are the ones that resonate the most with our curiosity: How does the story end? The human mind wants to be surprised, engaged, led on new pathways. You either take your target audience with you on that path by making them wonder what happens next or you sink in the sea of mediocracy.

    You cannot stand out by doing what everybody already does all the time. There is a reason we skip ads. They’re not interesting anymore. But we used to even talk about ads in school, remember that? If you look at the 100 most effective marketing campaigns in history, all of them excelled at one thing: Telling an actual story. And that’s where true writers come in.

    © 2025 Ben Büchlein. All rights reserved. This is a creative copy concept.

  • Yes, your favorite band is pretty awesome. They sound like nothing else sounds. Nobody knows more about them than you do. In fact, you were among the first to hear about them.

    But now, there is this trend amongst the youngsters to wear band shirts. It’s driving you insane, you keep stopping people on the street, asking them to tell you what’s on the B-side of their first album. It’s a trick question, since the B-side only contains the drummer’s rants about obscure motorcycles. The local youths avoid you now.

    The thing is, trends and fashion have never been very smart. They come and go, roll over subcultures and leave again. You’ll get through this. One day, the stylish people will go back to those tees with large brand names.

    Speaking of those, can you explain every word on your clothing? What does ADIDAS stand for and why does it make Germans uncomfortable? Does CAT stand for felines or something else? Which GAP are they talking about, is that what formula one drivers always go for? How does one properly pronounce Nike in ancient Greek? What about those Shirts with “SURF CLUB 1987” on them? Better find out what that means.

    You see, it’s totally normal not to know every detail about things you wear. You just wear them; they don’t wear you. Everything’s gonna be alright.

    And that drummer? The motorcycle people said he was wrong about the Albion gearbox of that Royal Enfield.

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  • Ist es noch möglich, Märchen zu schreiben?

    Es war einmal ein kleines Dorf namens Steigheim am steilen Hang, hoch in den Bergen, dort, wo nur die Gesunden hinlaufen konnten. Nicht aufgrund eines Fluches oder einer Tradition, sondern ganz einfach, weil der Weg die Berge hinauf so schwierig war, dass sogar die Ziegen mehrfach überlegten, wo sie den Winter verbringen wollten. Es war auch das jüngste Dorf im Fürstentum Himmelskapp, weil wer nicht mehr so gut zu Fuße war, recht häufig den Berg hinabfiel. Das hatte so einige Auswirkungen auf das Dorfleben, da sie einerseits einen regen Nachschub an Bewohnern brauchten, und somit viele Feste abhielten, andererseits aber auch eher feurig und unerfahren im Charakter waren, da ihnen insgesamt die Jahre fehlten und einige der Klügsten den Berg hinabgefallen waren. Ihre Jugend machte sie zu hart arbeitenden Bauern und Hirten, daher sammelte sich über die Jahrhunderte ein bescheidener aber nicht zu verachtender Reichtum hoch am Berge, der viele Neider hervorbrachte.

    Es geschah nun eines Tages, dass ein reisender Barde zuerst genau in jenes Dorf reiste und dann an den Hof des Fürsten von Himmelskapp. Der Fürst nämlich hielt ein Fest ab, um seine neue Allianz mit dem Fürsten des Nachbarstaates Breitgrundigen zu feiern, erpicht darauf, schon bald dem König die Stirn zu bieten und die Berge zu beherrschen, denn sie lagen zwischen zwei großen Imperien und wer die Maut der engen Pässe einheimste, dem war Reichtum und Macht beinahe sicher.

    Zu später Stunde sang der Barde dann von Steigheim am Steilen Riss:

    Breite Schädel, breite Füße, dem Himmel nah zum Gruße,

    Steigheim am steilen Hang, voll jugendlichem Drang,

    Frei und unbeschwert, hat sich der Macht erwehrt.

    Des Fürsten neue Verbündete warfen sich einige vielsagende Blicke zu, konnte es sein, dass Himmelskapp nicht ganz dem Fürsten von Himmelskapp gehörte? Ein Affront, den der Fürst nicht auf sich sitzen lassen konnte, so wurde der Barde flink abgeführt und in den Fluss geworfen, während er versuchte, zu erklären, dass reimen nicht sonderlich einfach war, schon gar nicht, wenn man nur eine Nacht zu Fuß hatte, um sich auf einen neuen Auftritt vorzubereiten, da der Fürst doch sicher neue Lieder hören wollte! Wenig überraschend war, dass die Wachen des Fürsten weder die lyrische Erfahrung noch Geduld hatten, so wurde dem Fürsten dieser Umstand nicht zugetragen, sodass Letzter schon am nächsten Morgen sein Geleit unter den Berg führte.

    Am ersten Tag wurden einige Soldaten den steilen Weg hinaufgeschickt, zu ihrem Unglück aber geschah es, dass an genau jenem Tag eine Ziege weiter oben stolperte und in die Reihe der Soldaten stürzte, die gezwungen waren, hintereinander zu laufen.

    Am zweiten Tag schickte der Fürst seinen prächtigsten Soldaten, sehr erfahren in alpinen Dingen. Er hatte kein Problem, das Dorf zu erreichen, fand die Bauern in einem ihrer Feste vor, konnte nicht widerstehen und schloss sich ihnen an.

    Am dritten Tag wartete man auf den Alpinisten vom zweiten Tag, der sich von nun an aus dieser Geschichte heraushielt und dessen Name darum auch nicht überliefert ist.

    Am vierten Tag wurde ein Trebuchet errichtet und schleuderte genau ein Geschoss in die Höhe, löste einen Steinschlag aus und wurde mitsamt dem einzigen Ingenieur des Fürstentums begraben.

    Am fünften Tag kamen neue Soldaten an, da dem Fürsten die Männer ausgingen.

    Am sechsten Tag wurde der lokale Teufel vorstellig, alarmiert von den dutzenden neuen Seelen mit Steinwunden, die beim ihm in der Hölle den Dienst antreten mussten. Er argumentierte, dass seine Ziegenfüße das ideale Fortbewegungsmittel für den schmalen Pfad waren, was der Fürst sehr überzeugend fand. Er versprach, für eine kleine, später zu verhandelnde Gegenleistung eine Botschaft zu überbringen, das Dorf solle sich ergeben und seine Steuern nachzahlen und von nun an jedes Jahr drei Dutzend Mann für das Heer abstellen. Der Fürst, der sehr viel weniger Zeit und Soldaten für die Unterjochung eines Dorfs eingeplant hatte, willigte umgehend ein.

    Geschwind machte sich der Teufel auf den Weg zum Gipfeldorf, wich einigen fallenden Ziegen aus und fand das Endstadium des aktuellen Festes vor, es war ein voller Erfolg gewesen. Ein wenig stolz war der Teufel ja schon, die Dorfbewohner waren tagsüber sicherlich tüchtige Bauern, abends aber eher auf seiner Seite. Die Ankunft eines roten Dämons mit Ziegenfüßen erregte schnell Aufmerksamkeit unter den verschlafenen Dorfbewohnern, so sammelten sie sich alsbald auf dem Dorfplatz. Der Teufel beschloss, dass diese tüchtige junge Menge genau seinem Beuteschema entsprach, und begann zu überlegen.

    Zuerst überbrachte er seine Nachricht wie abgemacht und die Dorfbewohner reagierten gereizt, nicht nur wegen der Nachwirkungen des Festes, sondern auch weil sie nicht einsahen, Steuern zu zahlen, ohne in die öffentliche Verwaltung des Fürstentums eingebunden zu sein, schließlich hatten sie keine Straßen, keine Post und mussten sich selbst um ihre Sicherheit kümmern. Umgehend beschloss man, den Teufel zu verprügeln und des Dorfes zu verweisen, dem Teufel aber gelang es, einen Kompromiss vorzuschlagen, während er umringt auf dem Gipfelkreuz des Dorfes saß. Sollte der Fürst eine bequeme Treppe in den Pfad schlagen lassen, gälte dies als Teilhabe von Steigheim am Fürstentum und würde Steuern und Wehrdienst rechtfertigen. Die Dorfbewohner, die gelegentlich ins Tal mussten, um ihre Erzeugnisse zu verkaufen, willigten murrend ein, um eine Belagerung zu vermeiden.

    Mit dieser Botschaft machte sich der Teufel auf den Weg an den Fuß des hohen Berges und überbrachte den Kompromiss. Der Fürst war mittlerweile der Angelegenheit sehr müde geworden, der Wein neigte sich dem Ende, aufgeregte Briefe seines Hofes trafen ein, da der Barde recht beliebt gewesen war, und seine Berater hatten sich mit Bedenken geäußert, einen Vertrag mit dem Teufel einzugehen. Man stimmte überein, dass eine Treppe in den Felsen zu schlagen eine angemessene Lösung des Konfliktes sein würde, nur fand sich kein Ingenieur mehr. Wieder bot sich der Teufel an, erfahren im Bau, wenn auch eher spezialisiert auf Tunnel. Der Fürst erkundigte sich, was der Teufel hierfür wollte und der Teufel bot an, die Treppe in nur einer Nacht fertigzustellen, sofern alles, worauf auf diesem schmalen Pfad das Mondlicht fiel, seins werden würde. Der Fürst stimmte zu, da er sicherlich nicht beabsichtige, in seinem Alter und mit seiner Liebe zu Wein einen Fuß auf den Pfad zu setzen, schon gar nicht nachts.

    Der Fürst reiste am selben Tag ab, zurück an den komfortablen Hof, der von nun an von Barden gemieden wurde. Der Teufel erfand die Serpentine und führte die Treppe so lange hin- und her den Hang entlang, dass sie niemals an einem Tag überwunden werden konnte, daher würden alle Dorfbewohner im Mondlicht baldigst seine tüchtigen Helfer werden.

    Die Bewohner von Steigheim fanden am nächsten Morgen eine wunderbare Treppe vor und lernten bald, diese nachts zu meiden, da Vieh und einige Schäfer vermisst wurden. Wer losging, um an den Fuß des Berges zu gelangen, sah im Abendlicht noch die Hälfte der Strecke vor sich und verschwand danach. Die Steigheimer waren am Berg gefangen, komfortabel, aber gefangen. Jedoch wurde man nun älter im Dorf, da der Schwund der Fußlahmen sowie Kopfverletzungen durch Steinschlag deutlich zurückgingen, und es kam zu einem Anstieg der Weisheit im Bauerndorf, bevor das Fehlen genetischer Vielfalt Auswirkungen erzielen konnte. Nur eine Generation später schon band man abends Vieh an einen Pflock auf der Treppe an und beobachtete vom Dorf aus den Hang hinab. Sobald das Mondlicht auf das Vieh fiel, kam der Teufel und nahm es mit.

    Die Dorfälteste, eine Melkerin, hatte nun die Idee, ein Schaf mit einer Decke zu überwerfen, um es vor dem Mondlicht zu schützen und als der Teufel erschien, fluchte er und nahm die Decke. Allerdings fiel nun das Mondlicht auf das Schaf, der Teufel zuckte mit den Achseln und nahm das Schaf mit. Nun versuchte man es mit einer Überdachung der Treppe, die aber jede Nacht wieder verschwand, der Teufel dankte für das gute Bauholz. Als nächstes probierte man es mit einem Spiegel, vor dem der Teufel einige Zeit stand, bis er ihn mitnahm, da er sich selbst bereits gehörte und den Plan nicht verstand. Dann wurde es mit einem Misthaufen probiert. Der Teufel erschien, hörte die Dorfbewohner von oben lachen, und nahm den Misthaufen mit in sein Reich. In der nächsten Nacht wurden alle Schuldbriefe auf die Treppe gelegt. Seines Wortes treu erschien der Teufel und war nun schwer verschuldet, wenn auch für Schuldeintreiber schwer zu erreichen.

    Die Steigheimer und der Teufel befanden sich nun in einem Duell auf alle Ewigkeit ‒ die einen konnten den Berg nicht verlassen, der Andere war an sein Wort gebunden, jede Nacht ihren Kehricht mitzunehmen und hatte ernste Zweifel an seinem Verhandlungsgeschick.

    Vom Rest des Fürstentums aus hatte der Fürst nach ein paar Wochen Stille einige Soldaten und Steuereintreiber geschickt, die allesamt auf der Treppe nach Steigheim übernachten mussten, da auch sie die Strecke an einem Tag nicht schaffen konnten. Zuerst verschwand ihr Zelt, und als das Mondlicht auf die verschlafene Gruppe fiel, fanden sie einen schwer enttäuschten Teufel vor, da dieser Militär- und Steuereintreiber so oder so bekommen würde, wenn auch etwas später. Ein paar weitere Späher verschwanden, bis der Fürst in den Krieg gegen den König zog, vom Pferd fiel und durch seinen Neffen ersetzt wurde. Das Dorf Steigheim, der Pakt mit dem Teufel und die Vereinbarung gerieten in Vergessenheit. Auch für die Dorfbewohner wurden Ereignisse zu Geschichten, Geschichten zu Hörensagen und Hörensagen zu Legenden. Alles, was beide Seiten wussten, war, dass die Welt an der sauberen Treppe endete.

    Die menschliche Neugierde allerdings lässt sich nicht lange bändigen und viele Augen blickten die Treppe hinab und die Treppe hinauf, unwissend, dass sie am Fuße und an der Spitze des Berges dasselbe taten. Es fiel allerdings auch im Tal auf, dass die Treppe jeden Morgen fein säuberlich geputzt war, sodass man auch dort seinen Abfall loswurde, sehr zum Leid des Teufels, der mittlerweile sein Reich unter der Erde erweitern musste, um Platz für allerhand nutzlose und übelriechende Dinge zu schaffen. Die paar Seelen und Tiere waren es nicht wert, dennoch war er an sein Wort gebunden, da der Fürst, mit dem er die Vereinbarung getroffen hatte, schon lange bei ihm in der Hölle litt, also keine Seele mehr einlösen konnte.

    Eines Tages aber lagerte eine Gruppe Gehilfen aus dem Tal auf Geheiß des Schmieds Schlacke ab. Sie hatten am Vortag stark getrunken und waren etwas verspätet, daher zog sich die Arbeit etwas in den Nachmittag, bevor sie sich auf den ersten Stufen ausruhten. Einer von ihnen schlief ein, was die anderen Gehilfen sehr witzig fanden, also beschlossen sie, ihn zur Hälfte auf den Stufen und zur Hälfte im Tal liegenzulassen. Der Gehilfe erwachte und erschrak nicht schlecht, als er einen grübelnden Teufel vorfand. Der Teufel hatte Anrecht auf einen halben Gehilfen, es war ihm aber untersagt, diesen zu halbieren, da der Teufel Seelen nur in Empfang nehmen konnte, das Sensen der Menschen unterlag einem Kollegen. Was er auch sagte, der Gehilfe bewegte sich nicht und überlebte so die Nacht. Der Teufel für seinen Teil sorgte sich um die Konsequenzen seines Wortbruchs, aber auch die Mächte, die der alten Welt ihre Ordnung verliehen hatten, fanden keine bessere Lösung.

    Bald entwickelte sich unter den Junggesellen der Region die Mutprobe, zur Hälfte auf der Treppe zu nächtigen und dem Teufel in die Augen zu blicken, doch wer sich im Schlaf viel bewegte, lief Gefahr, in der Armee der Hölle aufzuwachen. Eines Tages fand sich ein junger Gelehrter, der seinen sozialen Status in der Fakultät erhöhen wollte, zum falschen Zeitpunkt auf der falschen Seite der Treppe wieder, da er sich schlaftrunken bequem auf eine Treppenstufe umpositioniert hatte. Als der Teufel erschien, siegte die Neugierde des Gelehrten über seine Angst und er fragte den Teufel, warum er jede Nacht die Treppe reinigte. Der Teufel, etwas beleidigt ob der Unterstellung, dass es um eine Reinigung der Treppe ging, erklärte die Regeln seiner Vereinbarung mit dem lang vergessenen Fürsten, woraufhin der Gelehrte dem Teufel erklärte, dass es, strenggenommen, kein Mondlicht gäbe, sondern nur vom Mond reflektiertes Sonnenlicht. Schon bald einigten sich der Gelehrte, der sein Leben noch eine Weile behalten wollte und der Teufel, der schon lange keine Lust auf die nächtliche Arbeit mehr hatte, dass die neusten Einsichten in die Struktur des Sonnensystems gültig waren. Die Treppe nach Steigheim war nunmehr einfach nur eine überflüssig lange Treppe ohne weitere Eigenschaften.

    Als die ersten Abenteurer Steigheim erreichten, war die beiderseitige Freude groß, ebenso die Unterkiefer der Steigheimer. Als der nächste Fürst von den Steigheimern Steuern verlangte, geschahen erneut aufregende Dinge, nur der lokale Teufel hat sich seitdem nicht mehr blicken lassen, da er sich im weiteren Verlauf der menschlichen Geschichte nicht mehr aktiv um Seelen bemühen musste.

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  • Do you miss the good old times?

    Do you think your grandparents were more romantic than we are now?

    Do you love those old steamship movies and their ticker messages slowly coming in, building tension?

    We thought the same, so we give you the first printer in the world that is not an evil machine yelling for green paint when you need to print that one letter in black and white per year.

    It’s a telegraph! Well, sort of.

    Of course, you simply plug it into your router with an Ethernet cable or use WiFi. Then, you get the app where you type your messages and choose the recipient. There is also a version with a classic, ceramic keyboard if you want to go full Titanic radio operator.

    The fun part is that these machines come in pairs, you get one and your loved one gets one.

    Sure, you could just send a message with any of the messengers you have. But, trust us, it makes much more of an impression when suddenly, a mechanical device on your loved one’s desk starts loudly hammering out your telegraph letter by letter on an endless spool of paper. They will stare intently, guessing what the next word might be. Your pets will hate it.

    Yes, the printer always functions, yes, we sell the paper, too. Guaranteed to work for 5 years between services. Messages are encrypted in transit, promised. We also have a morse version for the autistic couples.

    Just like in the old movies. A tangible memory they will keep forever.

    Just like your grandparents did.

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  • Die STVO gilt nun auch im Gym.

    Regelmäßig trainieren ist nicht leicht. Darüber müssen wir gar nicht lange reden, es ist sogar ein Zeichen eines voll entfalteten Menschen, wenn man neben Fitness auch noch Familie, Beruf und Freunde zu verwalten hat. Es ist einfach immer was.

    Motivation kommt in allen Formen und Farben. Manche nutzen Social Media für Lob, manche setzten sich strikte Ziele, manche arbeiten auf einen Urlaub hin und wieder Andere sind einfach Single. Und dann gibt es auch noch diese seltsamen Menschen, die von Natur aus diszipliniert sind. Alles legitime Wege, sich vom Sofa zu erheben.

    Der Mensch an sich ist aber ein Gruppentier. Es ist kein Wunder, dass Laufgruppen, Gruppentraining und Social-Media-Gruppen viele Menschen erreichen. 100.000 Jahre Stammeskultur bleiben nicht ohne Spuren.

    Was ist aber mit denjenigen, die gerne in ihrem eigenen Tempo trainieren? Diejenigen, die zwar Freunde haben, aber einen anderen Rhythmus haben? Diejenigen, die neu in einer Stadt sind?

    Für die gibt es nun die Armpel. Zugegeben, an dem Namen arbeiten wir noch, er bleibt aber hängen. Wir schicken dir drei widerstandsfähige, waschbare und auffällige Gummibänder.

    Grün bedeutet, man kann dich zu jedem Thema ansprechen.

    Gelb bedeutet, man kann dich zum Thema Sport ansprechen.

    Rote bedeutet, du willst nicht sprechen.

    Du wirst überrascht sein, wie einfach sich dieses Prinzip der Armbänder aus der Partyszene auch auf das Gym übertragen lässt. Du wirst neue Freunde kennenlernen, du wirst neue Tricks lernen, oder du wirst deine Musik ungestört genießen können.

    Um Missverständnisse zu vermeiden, sind unsere Armbänder auffällig geformt, zeigen unser Logo und dürfen nur am linken Arm getragen werden.

    Probier‘ es einfach mal! Sehr viel mehr Menschen als du denkst sind genau in deiner Situation, es wäre schade, sie zu verpassen. Wir kümmern uns darum, dass die Menschen es auch wissen.

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  • Du hast Freunde? Erstmal Gratulation, hat nicht jeder.

    Halloween steht vor der Tür und du weißt noch nicht, was du machen sollst?

    Dann hätten wir einen Vorschlag, du musst nur genau zuhören: Erinnerst du dich noch an das Bild, das deine Freundin Katharina im Wohnzimmer hat? Mach heimlich ein paar Bilder davon, wir brauchen wirklich gute Aufnahmen. Alternativ können wir per Bildersuche herausfinden, woher sie das hat. Meistens vom Möbelhaus, wenn du uns fragst. Dann schickst du uns Geld und wartest. Okay, geht auch auf Rechnung.

    Nach ein paar Wochen bekommst du von uns dasselbe Bild im selben Rahmen (jetzt mal abgesehen von diesen Rahmen, die man im Museum sieht).

    Warum sich das lohnt? Weil du aus drei Varianten wählen kannst:

    1. Dasselbe Bild, aber etwas fehlt. Ein Vogel, ein Fenster, ein Buchstabe. Das wird für einiges an Verwirrung sorgen.
    2. Etwas teurer, weil Technik: Ein Bild, das sich einmal am Tag minimal verändert. Das wird für etwas mehr Verwirrung sorgen.
    3. Premium: Ein Bild, das für einige Sekunden täglich eine Horrorszene à la Hieronymus Bosch präsentiert. Sorgt für die meiste Verwirrung.

    Alternativ haben wir auch einen Spiegel im Angebot, der eigentlich ein Fernseher ist und lediglich die gegenüberliegende Seite zeigt, egal, wer davorsteht. Sorgt auch für Gespräche.

    Endlich werden LCD-Displays mal für etwas Interessantes verwendet.

    Deine Horrorfreunde von howtoloseyourfriends2025.com

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